Die GmbH wird häufig als beste Rechtsform empfohlen. Doch wenn auf dich die hier im Artikel genannten 4 Punkte zutreffen, solltest du darüber nachdenken, eine andere Rechtsform zu wählen.
Warum als Einzelunternehmer auf keinen Fall eine GmbH gründen?
Oft höre ich, die GmbH ist die beste Rechtsform. Du musst dringend eine GmbH gründen, um Steuern zu sparen. Das ist Quatsch. Das ist Steuer-Marketing-Bullshit. Häufig, um dir irgendeinen Kurs oder „Steuer-Coaching“ anzudrehen.
Du sparst mit einer GmbH keine Steuern!
Ja! In vielen Fällen kann die GmbH die optimale Rechtsform sein. In genauso vielen Fällen ist aber ein Einzelunternehmen besser. Das hängt von deinem individuellen persönlichen und unternehmerischen Setup ab. Und daher musst du die Entscheidung pro oder contra GmbH sorgfältig treffen!
Also: Eine GmbH ist für dich Quatsch, wenn auf dich die 4 folgenden Punkte zutreffen:
1. Du gründest allein und hast kaum Risiko in deinem Geschäftsmodell!
Wenn du mit mehr als einem Gesellschafter gründest, solltest ihr euch vorher sorgfältig Gedanken machen. Ansonsten entsteht eine GbR und diese ist regelmäßig nicht zu empfehlen.
Wenn du jedoch allein gründest und in deinem Geschäftsmodell kaum Haftungsrisiken hast, dann entfällt das Argument „Haftungsschutz“ für eine GmbH und ein Einzelunternehmen ist vollkommen ausreichend. Gerade bei vielen Dienstleistern dürfte das der Fall sein.
2. Du willst dein Geld lieber ausgeben bzw. privat investieren!
Steuerlich wird als Hauptargument immer gesagt, dass du die GmbH als Spardose und für den steueroptimierten Vermögensaufbau nutzen kannst, indem du deine Gewinne in der GmbH parkst.
Dafür musst du mit der GmbH dauerhaft mehr verdienen, als du privat ausgeben willst. Und das sollten eher mehrere 10.000 € jährlich sein, damit der Steuerstundungseffekt auch wirklich Spaß macht. Grob solltest du dir knapp 40.000 € jährlich steueroptimiert auszahlen, also solltest du mit deiner GmbH mindestens 60.000 € jährlich inkl. deines Gehalts verdienen.
Außerdem machen viele Investments auf privater Ebene mehr Sinn und das Geld würdest du dir auch auszahlen.
Welche Investments auf privater Ebene mehr Sinn ergeben, erkläre ich in diesem Fachartikel: In welche Kapitalanlagen kannst du in deiner Holding steuerintelligent investieren?
3. Du kannst schwer abschätzen, wie lange du dein Business noch machen wirst, oder willst vielleicht sogar auswandern!
Wie gesagt, damit der Steuerstundungseffekt mit einer GmbH Spaß macht, musst du das dauerhaft betrieben. 10, 20 Jahre, am besten bis in deine Rentenphase. Das ist ein sehr langer Zeitraum. Und im Optimalfall verdienst du mit deinem Business immer so viel Geld, dass du Gewinn in der GmbH belassen kannst.
Also: Wie lange willst du dein Business so noch machen? Wie lange willst du Unternehmer sein oder könntest du dir vorstellen, wieder angestellt zu werden? Oder vielleicht sogar auszuwandern?
Wenn du deine GmbH dann einfach ruhen lässt, kostet das Geld und frisst schnell die Steuervorteile auf. Wenn du deine GmbH liquidierst, ist der ganze Steuerstundungseffekt dahin und eine Liquidation dauert i.d.R. 14-16 Monate.
4. Du hast keinen Bock auf komplizierten Bürokratieaufwand und schwer nachvollziehbare Regelungen!
Deine GmbH bist nicht du. Deine GmbH ist eine andere juristische Person. D.h., du brauchst für alle Geschäftsbeziehungen zwischen dir und deiner GmbH Verträge und Gesellschafterbeschlüsse, z.B. für dein Gehalt, Darlehen etc. Und das auch bei jeder Anpassung oder Änderung.
Dazu musst du im Gegensatz zu einem Einzelunternehmen die GmbH im Handelsregister eintragen und im Bundesanzeiger deine Jahresabschlüsse veröffentlichen. Der Steuerberater kostet dich letztlich jährlich auch ca. 1.000 € – 2.000 € mehr.
Du siehst: Eine GmbH kann in vielen Fällen Sinn machen. Ein Einzelunternehmen aber auch. Die Entscheidung muss wohl überlegt sein. Steuern sind Chefsache. Insbesondere bei der Rechtsformwahl. Hol dir im Zweifel eine zweite oder dritte Meinung.
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